Auch wenn fast überall der Alltag eingekehrt ist und die Medien sich längst anderen Themen zuwenden, wird das DKIZ weiterhin in s+a über Hilfsaktionen berichten. Unsere s+a-Brandkatastrophen-Sonder-ausgabe vom September 2007 liegt in der print-Version inzwischen auch in zwei deutschsprachigen Athener Buchhandlungen aus: der Deutschen Buchhandlung (Omirou 4) und der Notos–Buchhandlung (Omirou 15) Für Frühjahr 2008 planen wir noch einmal eine Sonderausgabe, damit die verschiedenen Initiativen einen Zwischenbericht über ihre Tätigkeiten geben können.
Unsere Kontaktfrau für den Peloponnes Rechtsanwältin Christina Auf dem Graben schreibt uns:
„Zehn Tage nach dem Brandwochenende in Ilias bin ich von Patras aus mit voll bepacktem Auto -Freunde, Bekannte und sogar mir Unbekannte hatten für die Brandopfer gesammelt - in das Brandgebiet gefahren. Was ich dort sah, übertraf all meine Ängste und Horrorvorstellungen: Eine schwarz-weiße Kulisse mit umgestürzten Strommasten und verbrannten Häusern, aus einzelnen Baumstümpfen rauchte es zum Teil noch, die Luft war schwer und stank nach Rauch. Selbst in unseren Trinkbechern im Auto waren Rußpartikel. Nicht auszudenken, wie es den Leuten ergeht, deren Angehörige durch die Flammen umgekommen sind, die ihre Häuser haben brennen sehen, die Pflanzungen, Tiere und damit ihr Einkommen verloren haben. Und trotzdem zeigen sie eine unglaubliche, stille Würde. Wir haben unser Auto in dem Dorf Vresto ausgepackt, in dem 8 Häuser vollkommen verbrannt und Menschen gestorben sind. Innerhalb von zehn Minuten mussten die Menschen ihre Häuser verlassen - manch alter Mensch konnte es nicht mehr. Andere, die sich kaum bewegen konnten, haben sich neben die Brunnen gesetzt und dort die Flammen, die Hitze und den Rauch überlebt. Ich hätte mir gewünscht, diese Bilder nicht gesehen zu haben, keiner muss sich das freiwillig antun. Mit den Dorfbewohnern stehe ich in telefonischer Verbindung, um keine unnötigen Sachen zu sammeln. Man sagte uns, dass zum Beispiel ein Kühlschrank gebraucht wird. Wer dem Dorf Vresto helfen möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen. T 2610 225020”.
Karin Behm berichtet: “Mit meinem Mann bin ich am 18.09.2007 morgens in Richtung Zacharo aufgebrochen. Das Bild der verbrannten Umgebung ist immer wieder ein Schock, obwohl wir in unmittelbarer Nähe unseres Hauses ja auch verbrannte Bäume und Sträucher sehen. In Zacharo sind wir zunächst zum Bürgermeisteramt gefahren, wurden freundlichst empfangen und zu einer großen Lagerhalle geschickt. Dort werden Waren wie Lebensmittel u.a. in riesigen Containern angeliefert, teilweise Spenden großer griechischer Firmen. Man sagte uns, dass Bekleidung in der Metropolis von Zacharo gesammelt würden. Die Kirche war soweit geräumt, dass Kleiderständer, Wäschekisten u.ä. gut sortiert aufgebaut waren. Es waren viele Popen anwesend, und man erklärte uns, dass sie aus den umlegenden beschädigten Dörfern kamen und die Spenden nach Bedarf direkt zu den betroffenen Familien bringen. Wir waren überrascht, dass ein junger Mann alles notierte, was wir abzugeben hatten und uns dann einen Beleg darüber aushändigte. Stolz und froh waren wir, dass man erstaunt und erfreut war über die schönen und gepflegten Sachen, die wir anlieferten; es waren würdige Gaben, ordentlich verpackt und etikettiert. Man erklärte uns auch, dass der Bedarf an Kleidung und Wäsche nicht mehr so groß sei, dass aber noch dringend Geschirr, Töpfe und sonstige Haushaltsgegenstände benötigt würden für die Menschen, die all ihr Hab und Gut verloren hätten. Weiter in den Bergen stockte uns plötzlich der Atem - große Kränze, Blumen und Kerzen standen am Straßenrand: Es war die Stelle, an der so viele Menschen verbrannt waren. Im Weiterfahren sahen wir immer wieder in den verbrannten Feldern einzelne Blumensträuße und Kerzen, einen Kranz mit einem gelben Käppi darauf, wir haben es nicht ertragen und sind umgekehrt nach Olympia; immer wieder nach wie vor rauchende Bäume, aber erfreulicherweise auch viele Waldarbeiter, die aufräumen und aus den verbrannten Baumstämmen Schutzwälle gegen die kommenden Regenfälle errichten.” Karin Behm wird für Freunde aus Deutschland, die Geld sammeln und helfen wollen, Tierfutter kaufen und gezielt den Hirten bringen, die in nächster Zeit keine Weideflächen für ihre Tiere finden. Sie ist für Interessierte telefonisch unter M 6977173929 zu erreichen.
In unserer Sonderausgabe September 2007 hatten wir die Initiative von Gerda Kazakou vorgestellt. Sie schickte uns dazu folgende Ergänzung: „Meine Bemühungen haben viel positives Echo, aber noch wenig konkrete Hilfszusagen gebracht. Ich bemühe mich weiter, vor Ort ein kleines, langfristig orientiertes Hilfsprojekt aufzubauen, mit den beiden Schwerpunkten: Brand-Vorsorge und ökologische Erziehung von Schülern. Vorsorge: Hier wäre insbesondere eine verbesserte Ausrüstung der lokalen Feuerwehren nützlich. Unsere Gemeinde Avia in der messinischen Mani würde z.B ein Feuerwehrauto dringend benötigen, sie hat die zwölf hier ausgebrochenen Feuer mit den primitiven Mitteln der Bauern (Traktoren, Wassertransporter etc) bekämpfen müssen - dank der direkten Mobilisierung aller Kräfte zum Glück erfolgreich. Die Anschaffung eines gebrauchten Löschwagens ist eine erste Priorität. Zur Unterstützung solcher Aufbauarbeit wäre es sehr nützlich, Partnerschaften zu stiften zwischen deutschen, österreichischen bzw. Schweizer Freiwilligen Feuerwehren und griechischen Gemeinden. Die Gemeinden könnten von einander lernen und auch auf geselliger Ebene miteinander in Austausch kommen. Es wäre ein großes, aber Schritt für Schritt durchführbares Vorhaben, denn die deutschen, österreichischen und Schweizer Freiwilligen Feuerwehren sind nicht ausgelastet und haben vermutlich ein Interesse daran, ihr Knowhow weiterzugeben, die Löschbedingungen im südlichen Gebirgswald kennen zu lernen und zugleich in den Genuss der griechischen Gastfreundschaft zu kommen. Der zweite Schwerpunkt ist Wiederaufforstung unter Einbeziehung von Schulklassen und ökologischer Erziehung der Kinder. Erste Kontakte, die ganz vielversprechend sind, habe ich hier in Kalamata geknüpft. Schön wäre es, auch von den anderen Mitgliedern zu erfahren, wie ihre entsprechenden Arbeiten vorangehen. Für Spenden wurde ein Sonder-Konto bei der Eurobank Kalamata, Odos Artemidos, eingerichtet: Inhaber Gerda Kazakou, Konto No. 0026-0260-87-0101241435. IBAN für kostenfreie Überweisungen aus dem Ausland GR1402602600000870101241435 SWIFT/BIC BNGRGRAA