DKIZ

Deutsches Kontakt- und Informationszentrum in Griechenland

Archive for November, 2006

Sicherheit

Die griechische Polizei teilt mit, dass sich in der letzten Zeit in Athen aber auch in der Provinz Taschendieb- stähle in den verschiedensten Formen – bis hin zum Raubüberfall am hellichten Tag auf offener Straße -  häufen. Erhöhte Wachsamkeit ist also angesagt. Darüber hinaus sollten Sie als vorsorgliche Maßnahme auf jeden Fall von allen wichtigen Papieren (Ausweis, Pass, Führerschein) Fotokopien haben; im Verlustfall erleichtert und beschleunigt dies die Neuausstellung. Und natürlich benötigen Sie bei diesen Unterlagen die Telefonnummern Ihrer Bank und Ihrer Handy-Gesellschaft, damit, falls Ihnen auch Kreditkarten, EC Karten, Handy gestohlen wurden, ohne Zeitverlust die Sperrung telefonisch veranlassen können.


Erstellt in 2 Rat / Recht, 5 Griechischer Alltag am 16 November 2006

Griechischer Personalausweis

Hoffentlich haben Sie es auch schon erfahren: der griechische Personalausweis („tavtotita“ ) wird, jedenfalls, wenn er älter als zehn Jahre ist, am 31.12. 2006 ungültig .Dies erfuhren wir vom KEP, dem griechischen Bürgerzentrum. Den neuen Personalausweis stellt das Polizeirevier Ihres Wohnsitzes aus. Sie benötigen dafür fünf Passbilder (einfache, schwarz-weiß, nicht biometrisch), einen Auszug aus dem Bürgerregister Ihrer Gemeinde, der bescheinigt, dass Sie dort als Bürger eingetragen sind. Diese Bescheinigung (pistopoitiko) darf nicht älter als drei Monate sein. Wenn der neue Personalausweis nur deshalb ausgestellt wird, weil der alte ungültig wird, und nicht weil der alte z.B. verloren gegangen oder schwer beschädigt, so ist das Verfahren kostenlos.
Sie sollten mit Ihrem Antrag nicht zu lange warten, bereits jetzt bilden sich bei verschiedenen Polizeirevieren lange Warteschlangen und nach dem 01.01.2007 könnten Sie Schwierigkeiten haben wenn Sie sich nicht mit dem neuen Personalausweis ausweisen. Und zur Erinnerung: Auch die alten griechischen Reisepässe verlieren – unabhängig von ihrer Laufzeit - mit dem 31.12.2006 ihre Gültigkeit.

Erstellt in 2 Rat / Recht, 5 Griechischer Alltag am 16 November 2006

Europäische Krankenversicherungskarte

Europäische Krankenversicherungskarte.
Eine böse Überraschung erlebte im Juli 2006 ein Mitglied des DKIZ in Deutschland, als es in Siegburg einen Unfall erlitt, die zuständige Notfallpraxis zur ärztlichen Behandlung aufsuchte und seine Europäische Krankenversicherungskarte, ausgestellt  von der IKA in Griechenland, nicht anerkannt wurde. Auch Vorstellungen und Proteste bei der AOK Siegburg blieben erfolglos – es wurde die direkte Bezahlung der Rechnung verlangt und unser Mitglied auf den Weg der späteren Rückforderung von der IKA verwiesen.
Wir haben uns jetzt zwecks Klärung der Angelegenheit an die Europäische Union gewandt, weil diese Frage von grundlegender Bedeutung für uns alle ist. Wenn in Deutschland die von griechischen Versicherungsträgern ausgestellte Europäische Krankenversicherungskarte nicht anerkannt wird, bedeutet das für uns, dass wir bei einem plötzlichen Krankheitsfall in Deutschland ohne Versicherungsschutz sind- und was das im Einzelfall bedeuten kann, ist leicht vorstellbar. Falls auch Ihnen Vergleichbares passiert ist, dass nämlich Ihre griechische Europäische Krankenversicherungskarte in Deutschland nicht anerkannt wurde, teilen Sie es uns mit. Zur Erinnerung: Die Europäische Krankenversicherungskarte ersetzt seit dem 01.06.2004 im Bereich der Europäischen Union für alle Bürger der EU das frühere Formular E 111 und soll zur sofortigen ärztlichen Behandlung berechtigen

Erstellt in 8 Wir und Europa am 16 November 2006

Spruch des Monats November

Jedem kann es passieren, dass er einmal Unsinn redet; schlimm wird es erst, wenn er es feierlich tut. (Michel de Montaigne)

Erstellt in Nützliches am 16 November 2006

Herbstzeit ist Quittenzeit

Schon für Hippokrates war die Quitte die „für Heilzwecke nützlichste Frucht“. Die Quitte gilt auch heute als ernährungsphysiologisch sehr wertvolle Frucht. Auffallend hoch ist ihr Gehalt an Fruchtsäuren (Apfel- und Weinsäuren), Gerbstoffen und natürlich Pektinen, ein flüssiger Ballaststoff, der in unserem Verdauungssystem ein ganz wichtiger Bestandteil sein sollte. Quitten enthalten mehr Pektin als der Apfel. Durch die Quellwirkung des Pektins im Darm können Giftstoffe gebunden und eliminiert werden. Das ist der Grund, warum Quitten häufig gegen Durchfall verabreicht wurden. Pektine senken zudem den Cholesterinspiegel, normalisieren den Blutzuckerspiegel und beugen Darmkrebs vor. Auch beim Kaliumgehalt steht die Quitte noch vor dem Apfel. Ansonsten enthalten die Quitten noch reichlich Vitamin C, Vitamine der B-Gruppe und natürlich ätherische Öle. Quitten waren und sind Bestandteil der Naturheilkunde. Empfohlen wird frisches Kompott für Magen- und Halskranke.
Die Verbreitung der Quitte verdanken wir den Römern. Bei ihnen galt die Quitte als Glücks- und Fruchtbarkeitssymbol. Jung vermählte Paare mussten im alten Griechenland und in Rom eine Quitte essen. Es hieß, dass eine Frau, die während der Schwangerschaft viele Quitten isst, schöne und intelligente Kinder zur Welt bringe.

Eine leckere, festliche griechische Hauptmahlzeit ist „Kreas me Kidonia“ (Quitten mit Fleisch):
Ismini’s Spezialrezept
1 kg mageres Fleisch, (Schweinefleisch, Lammfleisch oder Rindfleisch, je nach persönlichem Geschmack),  1½ kg Quitten, ca. 50 gr Butter, Zucker, Salz, Pfeffer, nach Geschmack.
Das Fleisch wird in gulaschartige Stücke geschnitten und in der Butter angebraten, etwas Wasser dazugeben, leicht kochen lassen. Die Quitten werden geschält, in Stücke geschnitten und zum Fleisch gegeben. Auch die Quitten sollten noch mit Flüssigkeit bedeckt sein. Abgeschmeckt wird mit Salz, Pfeffer und Zucker, der Topf zugedeckt und bei niedriger Hitze so lange gekocht, bis die Flüssigkeit sich zu einer dicken Soße reduziert hat. „Guten Appetit!“

…….und hier ein gesunder „Pralinenersatz“ -

Quittenbrot nach Oma’s Art
Quitten in einem Tuch abreiben, in Viertel oder Achtel schneiden, entkernen, mit wenig Wasser weich kochen (Zutat der Enkelin: Drucktopf!). Masse zu gleichmäßigem Mus verarbeiten (Zutat der Enkelin: Elektromixer!), mit Zucker so lange unter Rühren kochen lassen, bis eine relativ feste Masse entsteht, erkalten lassen, auf Backpapier streichen, ca. 1 1/2 cm hoch, und im Backofen mehrere Stunden bei ca. 50 Grad C. trocknen lassen. Zum Schluß entweder mit geröstetem Sesam bestreuen und in Stückchen schneiden oder zunächst in Stückchen schneiden und jedes Stückchen mit einer Mandel verzieren. Für die Weihnachtstage in Blechdosen füllen – und gut verstecken! „Delikaten Genuß!“

DKIZ – HAUSHALTS-TIPP

………………keine falsche Sparsamkeit in der Tiefkühltruhe!
Müllbeutel und Plastiktüten aus dem Supermarkt sind nicht zum Einfrieren von Lebensmitteln geeignet. Vor falscher Sparsamkeit warnt das Institut Fresenius aus Taunusstein. Da für diese Tüten nicht die strengen Regelungen des deutschen Lebensmittelgesetzes gelten, können gesundheitsschädliche Lösungsmittel freigesetzt werden. Sichere Alternative: haushaltsübliche Frischhaltefolien und Tiefkühlbeutel. (Fundstelle: Apotheken-Umschau 07/06)

Erstellt in Nützliches am 16 November 2006

Buchempfehlungen


Irrationale Elemente deutscher Politik – von Bismarck bis Schröder“ von Gregor M. Manousakis. Welche Zukunft haben Deutschland und Europa? Welche Rolle wird Deutschland im zukünftigen Europa spielen? Der Verfasser analysiert scharfsinnig die politischen Entscheidungen der Vergangenheit und versucht Wege für das zukünftige Europa aufzuzeigen. Eine ausführliche Besprechung dieses wichtigen politischen Sachbuches durch die Historikerin Dr. Waltraud Sperlich finden Sie hier auf der Website Das Buch ist erschienen im Tsoukato Verlag Athen, ISBN 960-7922-37-9

Olive - Der heilige Baum, Geschichten und Gedichte“, ausgewählt und herausgegeben von Andrea Schellinger. Seit Jahrtausenden ist der Ölbaum eine der wichtigsten Kulturpflanzen des Mittelmeerraums. Die ungeheure Lebenskraft dieses Baumes hat über 2500 Jahre hinweg Dichter und Schriftsteller fasziniert, davon zeugen die Texte dieses Buches u.a. von Homer, Herodot, Platon, Horaz, Vergil, Rilke, Kazantzakis, Elytis ,Ritsos und vielen anderen. Erschienen in der Reihe „Geschenkbücher“ des insel–taschenbuch-verlag..

Unter dem Titel „Η ΕΛΙΑ“ ist das Buch im Nissos-Verlag auf Griechisch erschienen. In der Textauswahl ist es leicht modifiziert, aber es enthält zusätzlich ein sehr schönes, wenig bekanntes Gedicht von Konstantin Tsatsos und 42 Fotografien von Dimitris Stoupakis. ISBN 960- 8392-23-3.

Messene, die erträumte Metropole“, erschienen im LYSO Verlag Kalamata. Angesichts der spektakulären Ausgrabungsfunde der letzten Wochen im antiken Messene (bei Kalamata) könnte der Spätherbst für einen Ausflug dorthin genutzt werden. Pflichtbegleitung sollte das schön gestaltete, handliche Buch von Eva-Maria Lang und Waltraud Sperlich sein. Es ist ein gut zu lesender Kunstreiseführer und Zeitreiseführer und besticht durch die Fülle und Qualität seiner Abbildungen. ISBN 960 -630-274-1

Für die bilinguale deutsch-griechische Kinderstube:

Arthur und Anton“, ein zweisprachiges Bilderbuch, das die Geschichte einer ungewöhnlichen Tierfreundschaft erzählt. Ab 5 J., mit Audio-CD. “Rund um mein Haus“, ein zweisprachiges Pappbilderbuch, das kleinkindgerecht die Situationen in und um ein Wohnhaus schildert. Ab 2 J. .Mehr Informationen auch unter www.edition-bilibri.de.und Epko International
0030 210 2022202, E: info@epko.org

Erstellt in Empfohlen wird am 4 November 2006

Buchempfehlungen der deutschsprachigen Buchhandlungen

 

Die Deutsche Buchhandlung (Omirou 4 / Stadiou 10 in der Passage, 10564 Athen, 210-3225294)empfiehlt

 

Karnezis, Panos: Der Irrgarten dtv, 2005, ISBN 3-423-24452-6. Die Odyssee einer griechischen Brigade, die sich im Sommer 1922 auf der Flucht vor den Türken in der anatolischen Wüste verirrt.

van Gent, Werner/Walser, Paul L Zimt in der Suppe . ISBN 3-85869-283-2-Die Verfasser, langjährige Griechenland-kenner, nehmen uns mit auf eine Entdeckungsreise durch ein modernes und überraschendes Griechenland. 

Der Mensch ist eine kleine Welt. Reclam Verlag, 2006 ISBN 3-15-010600-1Antike Weisheiten. Kluge Gedanken von Dichtern und Denkern - neu übersetzt und klug geordnet - der griechischen und roemischen Antike.

Bernieres, Louis de: Traum aus Stein und Federn Fischer Taschenbuchverlag, 2006. In einem atemberaubenden epischen Roman macht Louis de Bernieres eine vergessene Stadt im Südwesten Anatoliens zur Mitte der Welt. Mit schillernden Farben erschafft er einen Kosmos, in dem vor 100 Jahren Türken und Griechen, Christen und Muslime in Frieden nebeneinander lebten.

 Trompeter, Georgios Theodosios: Jorgo’s Taverne ISBN 3-85252-730-9Vegetarische und vegane Rezeptideen. Kulinarische Streifzuege durch Griechenland, Italien und Oesterreich.

 

Die Notos Buchhandlung (Omirou 15, 10672 Athen, 210-3629746). empfiehlt

 

Kadelbach, Ulrich Mit Kazantzakis auf den Athos Kretische Spuren ISBN: 3-937108-08-4 Ulrich Kadelbach webt aus seinen Reiseerinnerungen, aus Kazantzakis-Zitaten und Athos-Legenden eine wundervolle Textcollage über den heiligen Berg und kretische Spuren dorthin.
Einleitung von Papaderos, Alexandros. Vorwort von Konstantinou, Miltiadis.

 

Nikos Themelis Jenseits von Epirus. ISBN: 3-492-23719-3 Übers. von: Hauser, Norbert. Mitreißend und bilderreich erzählt Nikos Themelis’ großes Epos die fesselnde Lebensgeschichte des Griechen Nikolas. »Jenseits von Epirus« steht seit drei Jahren auf der griechischen Bestsellerliste.

 

Maria Psilakis , Nikos Psilakis Die Kultur der Olive, Olivenöl. ISBN: 960-7448-19-7 Das Geheimnis zur guten Gesundheit: Hinweise zur richtigen Anwendung: Mit 150 Rezepten.

 

 

Die Colibri Buchhandlung (Kyriazi 14-16, 14562 Kifissia, 210-8018687) empfiehlt

 

Taschenbücher:

Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein . Umberto Eco: Die Flamme der Königin.

LoanaAmos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis . Khaled Hosseini: Drachenläufer.


Gebundene Neuerscheinungen::
Katharina Hacker: Die Habenichtse.  Ilija Trojanow: Der Weltensammler.
Peter Stamm: An einem Tag wie diesem.  Jonathan Safran Foer: Extrem nah und unglaublich nah.
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger  . Ryszard Kapuscinski: Meine Reisen mit Herodot.
Frank Schulz: Das Ouzo-Orakel.

Erstellt in Empfohlen wird am 4 November 2006

Buchbesprechung

Von den Griechen lernen

Zu dem Buch von Gregor M. Manousakis:
Irrationale Elemente deutscher Politik
Von Bismarck bis Schröder
Erschienen im Tsoukatou Verlag Athen zum Preis von 24.90 Euro
In Deutschland zu beziehen über www.buchhandel.de oder info@gropper-gmbh.de.

Ein Grieche, der uns Deutschen erzählen will, wie wir ticken. Uns gar aufzeigt, wo wir falsch ticken, wo unsere Politiker in der Vergangenheit - der fernen wie der ganz nahen – die Vernunft abgeschaltet haben. Von einem alten Griechen ließen wir uns zeitlose Weisheiten verklickern, aber von einem älteren Griechen der Jetztzeit? Der uns dazu noch um die Ohren haut, dass uns die Ratio, als deren Miterfinder sich die deutsche Kulturnation sieht, auch in der deutschen Politik meist abhanden kommt?
Gregor M. Manousakis, 1935 auf Kreta geboren, hat in Bonn Politikwissenschaft und äußerst gründlich die Deutschen studiert. Herausgekommen ist ein sehr kluges Buch, aus dem wir Deutschen viel lernen können. Wenn wir nur wollten. Wohl weil wir die Wahrheit nicht hören wollen, kamen zu der Buchvorstellung in Athen nicht die, die es angeht. So diskutierten über ein deutsches Buch, über deutsche Vergangenheit, über deutsche Politik, in deutscher Sprache – fast ausschließlich Griechen. Doch ein schlagender Beweis für die deutsche Irrationalität.
Für den berühmten Kulturhistoriker Egon Friedell war „Geschichtsschreibung die Philosophie des Geschehenen“. Gregor M. Manousakis leistet das, zeigt in der Rückschau die verquere deutsche Denke auf, die daraus folgenden Irrwege, in die sich die deutsche Politik verrannt hat und weiter verrennt.
Angefangen bei den Nachfolgern Bismarcks. Da hatte der eiserne Kanzler, ein gebranntes Kriegskind, Deutschland in einen Sicherheitskokon eingewoben, um seinem Land für immer den Frieden zu geben. Ausgeklügelte Staatsverträge, die – wären sie bloß eingehalten worden – Europa eine lange Zeit der Ruhe garantiert hätten. Aber der Mensch ist nicht glücklich, wenn er glücklich ist und der Politiker erst recht nicht.
Ohne Not kündigen die Nachfolger Bismarcks seine Verträge auf und zerfetzen mutwillig das Sicherheitsnetz. Kleingeister machen Deutschland zur politischen Spielwiese und so pocht denn auch der Kaiser, eher vom Spieltrieb als von der Staatsräson geleitet, auf eine eigene Marine. Eine Kriegsflotte ist eigentlich völlig überflüssig, da die deutschen Handelsschiffe bis dato immer sicher unter dem Schutz der englische Marine gefahren sind. Die Seemacht England kann nicht anders: Sie muss im maritimem Aufrüsten Deutschlands eine echte Bedrohung sehen. Kindische Großmannssucht trieb Deutschland in den Krieg.
Folgt man Manousakis’ Gedankengang, ist Irrationalität eine Grundkonstante im politischen Geschehen. Wären die Sieger des Ersten Weltkriegs kluge Gewinner gewesen, hätte es Hitler und folglich den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Für Manousakis sind es die Rachegelüste der Alliierten, die Deutschland in die Irrationalität und einem Hitler zutreiben. Demütige niemals ein Volk, so Manousakis Maxime, denn es reagiert darauf genauso irrational, schlägt genauso so blindwütig zurück, wie ein gedemütigter Mensch.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verhindert nur die Furcht der Alliierten vor Stalin eine weitere Demütigung Deutschlands. Die Westmächte brauchen einen starken Puffer zwischen sich und Russland und stoppen die geplante Zerschlagung Deutschlands. Adenauer, „schlau wie Odysseus“, dankt den Alliierten die „Milde“ mit einer eindeutig auf den Westen ausgerichteten Bündnispolitik. Amerika  & Co zeigen sich weiter versöhnlich und so darf Deutschland bald wieder ein Militär haben und 1954 der Nato beitreten. Was abermals deutscher Irratio den Boden bereitet. Die SPD ist lange für einen Sonderweg innerhalb des geteilten Europas, findet aber dann in ihrem Godesberger Programm zum rechten linken Weg zurück, sprich Ausrichtung nach dem Westen. Brandts Ostpolitik kommt erst viel später.
„Die Manier der Aufgabe der deutschen Identität war unter Deutschen zeitweise verbreitet.“ Sehr verbreitet, wie die Verfasserin dieser Rezension nur bestätigen kann. Sie verließ das Land des Vaters, weil ihr die Vorväter zuwider waren. Weit weg der alten Heimat tappte sie aber in die gleiche Falle wie die Zurückgebliebenen. Weil man nur noch gut sein wollte, menschlich sein wollte nach der schrecklichen Nazizeit,  stehen wir jetzt in Deutschland fassungslos vor einer völlig verkorksten Ausländerpolitik. Weiter trauen sich unsere Politiker immer noch nicht, im Nahostkonflikt Stellung zu beziehen, weil Israel, wie willkürlich und gewalttätig seine Politik auch sein mag, mit Samthandschuhen angefasst wird.
Völlig irrational reden Deutsche das Kriegsende schön, wie Bundespräsent Weizsäcker 1985: „Der 8. Mai war auch für uns Deutsche ein Tag der Befreiung.“ Manousakis dazu: „Die Niederlage eines Staates impliziert nie die Befreiung des Staatsvolkes.“ Siehe dazu Vertreibung und Flucht der Deutschen, die jetzt erst, 60 Jahre nach Kriegsende, thematisiert werden.
Dass die Niederlage eines Staates nie die Befreiung eines Volkes impliziert, schreibt Manousakis besonders den Amerikanern hinter die Ohren. Schonungslos führt er Fehler und Kardinalsfehler in der amerikanischen Außenpolitik auf. Den außer Rand und Band geratenen „Hegemon“ zu stoppen, das kann nur ein starkes Europa, in dem nach Manousakis Deutschland eine Schlüsselrolle zukommt. So es sich zur Ratio bekennt.
Gregor M. Manousakis hat ein sehr kluges Buch geschrieben, das Pflichtlektüre für alle Politiker sein sollte. Eine spannende Lektüre für alle, die sich Europäer nennen und einen deutschen Pass haben.

Dr. Waltraud Sperlich, Historikerin

Erstellt in Empfohlen wird am 2 November 2006